79. Hauptversammlung vom Jägerverein Toggenburg (Jahresbericht)


Jahresbericht
des Präsidenten über 2019

 

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Liebe Jägerinnen und Jäger, sehr geehrte Gäste

Allein im Kanton St. Gallen sterben jedes Jahr hunderte Rehkitze einen grausamen Tod durch schnelle Mähmaschinen. Dieses unnötige Tierleid wollen wir stoppen, indem wir für die Rehkitzrettung Drohnen mit Wärmebild-Kameras einsetzen.Über eine vor ca. vier Wochen angelegte Sammelaktion sollen die finanziellen Mittel zusammen getragen werden, damit 10 Drohnen mit Wärmebildkameras angeschafft werden können. In einem Ausbildungskurs werden dann im Frühjahr 2020 Drohnenpiloten und Jagdgesellschaften in der Handhabung der Technik und der Organisation der Kitzrettung aus der Luft ausgebildet. Dies mit dem Ziel, ab der Setzsaison 2020 im Mai/Juni möglichst viele Drohnen, Drohnenpiloten und verantwortliche Jagdgesellschaften für den Einsatz gegen unnötiges Tierleid verfügbar zu haben. Eine Drohne kostet rund Fr. 6‘000.00. Der ehrenamtliche Einsatz der Jägerinnen und Jäger beläuft sich pro Revier auf weit über hundert Einsatzstunden, die in der Regel sehr früh am Morgen geleistet werden.

Die Landwirte wissen grundsätzlich, ob bei ihnen – und vor allem in welchen Wiesen Rehkitze abgesetzt werden. Zudem wird das Heu durch die Drohnen viel weniger beschädigt, als wenn zwei, drei Jäger im hohen Heu herum laufen. Ich persönlich finde diese Aktion und die Anschaffung der 10 Drohnen sehr gut. Ich rufe Sie auf, spenden Sie Geld für diese Anschaffung und geben Sie die Karten, die wir den Hauptversammlungs-Unterlagen beigelegt haben, an Freunde und Bekannte weiter, damit wir die benötigte Summe von Fr. 60‘000.00 gemeinsam zusammen bringen.

Jagdgesetzrevision 2022
Das geltende Jagdgesetz ist grundsätzlich ein gutes Gesetz. Es enthält allerdings einige unbefriedigende Kernpunkte. Insbesondere die Revierbewertung/Reviervergabe ist kompliziert, nicht transparent und ungerecht. Das Ziel der Revision 2022 muss sein, dass folgende Kernpunkte über RevierJagd St. Gallen (RJSG) diskutiert, verbessert und eingegeben werden müssen:

  • Revierbewertung
  • Mindestpächterzahl/Jagdberechtigung
  • Reviervergabe
  • Rechtsform der Jagdgesellschaften
  • Ausgewählte Themen zur Jagdverordnung

Vor der Kantonalen Obmänner-Tagung vom 05. März 2020 sollen die Vorstände der Jägervereine Gelegenheit erhalten, sich zu den einzelnen Vorschlägen von RJSG zu äussern. Desgleichen anlässlich der Delegiertenversammlung von RJSG. Aus Sicht RJSG soll/muss Mitte 2020 eine fertige Version vorgelegt werden können.

Sanierung belasteter Boden im Berstel, Nesslau
Bis ins Jahr 2003 führte der Jägerverein Toggenburg im Berstel jährlich einen Schiessanlass auf den laufenden Hasen durch. Als Jagdmunition diente damals fast immer Bleischrot. Das Amt für Umwelt hat das Grundstück (Eigentum der Gemeinde Nesslau) untersucht. Messungen ergaben, dass in einem sehr klein begrenzten Bereich ein Bleigehalt von über 2‘000 mg pro m2 vorhanden ist.
Der Gemeinderat von Nesslau sieht vor, den belasteten Standort, soweit erforderlich, in diesem Jahr zu sanieren. Die Kosten und deren Finanzierung werden zurzeit abgeklärt.

Jagdschiessen 2019
Am Samstag, 27. April 2019 führten wir unser traditionelles Jagdschiessen in Nesslau durch. Mit 120 Schützinnen und Schützen hatten wir wieder einen sehr guten Besuch. Davon haben wieder 90 Jägerinnen und Jäger den Treffsicherheits-Nachweis gelöst und das vom Kanton verlangte Resultat geschossen. Die sichere Handhabung der Waffe ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer verantwortungsbewussten Jagd. Einmal mehr ist der Gabentisch erwähnenswert. Dank der sehr grossen Unterstützung unserer langjährigen Gönner und Sponsoren umfasste der Wert aller 160 Preise über Fr. 7‘000.00. In diesem Zusammenhang möchte der Vorstand den vielen Sponsoren herzlich danken.

Dem Jagdmeister (Schützenkönig 2019) Hanspeter Zwicker, Wattwil, Jagdgesellschaft Wattwil-Tweralp, möchte ich an dieser Stelle nochmals herzlich gratulieren für sein sehr gutes Resultat.

Allen Helferinnen und Helfern möchten wir auch ganz herzlich danken – ohne sie könnte ein solcher Anlass nicht durchgeführt werden. Einen ganz grossen Dank möchten wir auch der Jagdgesellschaft Gräppelen-Alt. St. Johann, insbesondere dem Obmann Werner Bollhalder und dem Festwirt David Schlumpf für die tadellose Führung der Festwirtschaft ausrichten. Die Festwirt-schaft vom Samstag, 25. April 2020 führt die Jagdgesellschaft Krummenau II.

Kurs Wildbret-Verwertung (Salzerei, Räucherei)
Am Samstagmorgen, 22. Juni 2019 führte der Vorstand des Jägervereins Toggenburg erneut einen Wildbret-Verwertungskurs durch. Als Referenten haben einmal mehr die Vorstandskollegen Stephan Schädler und Fabio Jud die Verantwortung und Organisation übernommen.

Stephan Schädler erklärte auf sehr spannende und gekonnte Art, welches Fleisch sich für welche Salz-Art eignet. Er erklärte uns, was ein pH-Wert und aW-Wert ist, wie ein Umrötungsprozess funktioniert und wieso man Zucker benötigt zum Salzen.

Bevor wir zum praktischen Teil übergingen, konnten wir auch noch den Betrieb Möfag in Zuzwil besichtigen.

Ein ganz besonderes Highlight war, dass alle ihr mitgebrachtes Wildfleisch selber salzen konnten. Das Fleisch wurde dann durch die Firma Möfag umrötet und getrocknet. Sobald das Fleisch fertig getrocknet war, konnte man es bei der Firma Möfag abholen und zu Hause geniessen.

Ich möchte mich bei Stephan Schädler und Fabio Jud für den sehr guten und informativen Kurs recht herzlich bedanken.

Schrotschiessen Starkenbach 2019
Am Samstag, 07. September 2019 führten wir das Schrotschiessen auf der Naturanlage im Steinbruch Starkenbach in Alt St. Johann durch. Trotz schlechten Wetterbedingungen durften wir wieder über 80 Mitglieder und Gäste vom Jägerverein Toggenburg begrüssen.

Die Möglichkeit, seine Schiess-Fertigkeit zu trainieren und dadurch das Vertrauen in seine Waffe und in sich selbst zu erhöhen, liegt voll im Trend. Auch die Gelegenheit, den Treffsicherheits-Nachweis gemäss JFK-Standard zu schiessen, wurde rege genutzt und geschätzt.

Die Festwirtschaft unter der Leitung einer charmanten Dame sorgte einmal mehr für das leibliche Wohl. Wir wurden weiter den ganzen Tag begleitet von einer zweiten charmanten Dame vom Amt für Umwelt aus St. Gallen. Sie war bei uns Gast, schoss selber das verlangte Programm und meinte am Abend, dass aus Sicht des Amts für Umweltschutz keine Beanstandungen an die Verantwortlichen des Schrotschiessens abzugeben sind.

Wir möchten unserem Kassier und Chef vom Steinbruch Starkenbach, Peter Bitschnau danken für seine Grosszügigkeit, auch danken möchte ich allen Teilnehmer, welche mit ihrer Präsenz die Wichtigkeit des Anlasses markiert haben.

Gamshegeschau
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Massnahmen in enger Zusammen-arbeit zwischen ANJF und Jagdgesellschaften getroffen, um die Bestände weiterhin nachhaltig und fachgerecht zu bejagen. Dazu gehören erweiterte Bestandserhebungen, wildbiologische Gutachten und Anpassung der Abschusspläne. Als weitere Massnahme wird in einem Projekt das Vorlegen aller Trophäen der auf der Jagd erlegten Gämsen inkl. Hegeabschüsse – mit Ausnahmen der Kitze und Jährlinge – im Rahmen einer Hegeschau eingeführt. Um Synergien zu nutzen, wird dies mit der Kantonalen Rothirsch-Hegeschau kombiniert. Eine kleine Fachkommission aus zwei Vertretern der Jägerschaft und der Wildhut bestimmt am Tag der Hegeschau das Alter der vorgelegten Trophäen.

Der Kanton wird in fünf Regionen eingeteilt. Pro Jahr müssen nur die Trophäen von jeweils einer Region vorgelegt werden Die Einteilung erfolgt nach den Wildräumen. Nach fünf Jahren wird die Situation analysiert und das weitere Vorgehen festgelegt.

Ich weiss, dass nicht alle Jägerinnen und Jäger Freude an dieser Gamshegeschau haben. Ich persönlich finde sie sehr gut. Überall, wo es Hegeschauen gibt, werden in der Regel Rot-Gams und sogar Rehwild gezeigt. Ich vertrete die Meinung, dass das, was man erlegt, auch einer breiten Öffentlichkeit gezeigt werden darf.

Luchs
Zum dritten Mal hat sich der Kanton St. Gallen beim Luchsfang für das Auswilderungsprojekt im Biosphärenreservat Pfälzerwald/Deutschland beteiligt – mit Erfolg. Am 13. Februar 2019 konnte ein mehrjähriges Luchsweibchen im Eichberg gefangen und erfolgreich im Pfälzerwald ausgewildert werden. Es ist der dritte Luchs aus St. Gallen, der umgesiedelt werden konnte. Die Projektleitung liegt leider immer noch beim Bund.

Beim letzten Fotofallen-Monitoring in der Nordostschweiz wurde gesagt, dass die Dichte des Luchses im Tössstock angestiegen sei, während sie im Gebiet Speer, Churfirsten und Alvier gesunken ist und nördlich der Thur im Alpstein stabil bleibe. Bei uns im Toggenburg, insbesondere im oberen Teil ist die Anzahl Luchse im Gegensatz zu anderen Orten, meines Erachtens extrem gestiegen.

Ich möchte noch kurz Stellung nehmen zu meinen Äusserungen im Tele-Ostschweiz, FM1 und Blick online:

Das von mir Gesagte in der Tagesschau bei Tele-Ostschweiz Mitte Dezember wurde 1:1 wieder gegeben. Zu diesen Aussagen stand ich damals, sowie auch heute noch.

Wenn Journalistinnen und Journalisten bei FM1 und insbesondere im Blick online die Aussagen auseinander nehmen und ergänzen nach eigenem Gutdünken, damit es grosse, aber leider total falsche Aussagen gibt, kann ich leider nichts dafür. Wenn das in diesen Medien normal ist, sind wir an einem gefährlichen Ort in Sachen Medien angekommen.

Dass es auch Jägerinnen und Jäger in dieser Angelegenheit gibt, die meine Auffassung nicht teilen, ist mir bewusst. Ich begreife dies und habe volles Verständnis. Ich verlange aber umgekehrt auch, dass sie mit mir und meinen Aussagen leben können. Ich gehöre nicht zu jenen, die in Sachen Luchs nie etwas sagen und schreiben, weil sie immer Angst haben, das zwei am Rücken zu haben.

Bei jenen Jägerinnen und Jägern aus dem Jägerverein Toggenburg, die sich wirklich tiefst geärgert haben, möchte ich mich entschuldigen. Aber nochmals, alles was Tele-Ostschweiz sendete, da stehe ich heute noch dazu.

Dank
Am Schluss meines letzten Jahresberichtes ist es mir ein grosses Anliegen, meinen Kollegen im Vorstand für die angenehme und sehr gute Zusammenarbeit, sowie für ihren Einsatz für den Toggenburger Jägerverein bestens zu danken.

Einen besonderen Dank richte ich an die Kollegin und Kollegen im Vorstand RevierJagd St. Gallen. Ich war nicht immer pflegeleicht in den letzten 8 Jahren, aber dem Präsidenten Peter Weigelt gelang es immer wieder, mich in die richtige Bahn zu weisen.

Ebenfalls danken möchte ich unserer Jagdbehörde, der Stadtverwaltung Lichtensteig, insbesondere Stadtpräsident Mathias Müller für die gute und kooperative Zusammenarbeit im Interesse unserer gemeinsamen Sache.

Speziell möchte ich aber Euch allen, liebe Jagdkameradinnen und Jagd-kameraden herzlichen Weidmannsdank aussprechen für die Bereitschaft, sich mit der Jagd im heutigen Umfeld auseinander zu setzen.

Auch Ihnen, liebe Gäste, danke ich für Ihr wohlwollendes Interesse am Jägerverein Toggenburg.

Dem neuen Vorstand, insbesondere dem neuen Präsidenten wünsche ich Fingerspitzengefühl, aber trotzdem auch Mut und gutes Gelingen in Zukunft.

Ich wünsche Euch, liebe Gäste, Jägerinnen und Jäger alles Gute, Glück und Gesundheit und allen ein kräftiges Weidmannsheil im kommenden Jagdjahr.

  1. Februar 2020

Köbi Rutz, Obmann JVT

 

 

Jägerverein Toggenburg